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Sie sind hier: Krankheitsbilder » Entzündung der Herzinnenhaut, Endokarditis 26. Juli 2017
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Herzinnenhautentzündung, Endokarditis

Definition

Herzinnenhautentzündung: Ausgelöst durch äussere oder innere Keime

Durch die regelmässigen Kontraktionen des Herzmuskels unterliegt das Endokard starker mechanischer Beanspruchung. Entzündliche Vorgänge an der Herzinnenhaut können zu schweren Vernarbungen, Verwachsungen und damit zu Funktionseinschränkungen der Herzklappen führen (siehe Herzklappenfehler)

Die Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut) wird entweder durch Keime (Bakterien) oder durch ein rheumatisches Fieber ausgelöst. Sie kann sehr subtil, mit wenig Beschwerden, oder sehr dramatisch verlaufen - mit z.B. unwiderruflichen Schäden an den Herzklappe - oder tödlich enden.

Nur eine sofortige Behandlung kann vor Herzklappendefekten oder vor einer Streuung der Infektion im ganzen Körper (Sepsis) schützen. Bei der akuten Form der bakteriellen Endokarditis sterben immer noch 30 bis 40% der Betroffenen.

Durch eine rechtzeitige, konsequente Behandlung bei der rheumatischen Endokarditis können sowohl akute Schäden an den Herzklappen als auch chronische Folgeschäden weitgehend vermieden werden.

Die Herzinnenhaut (Endokard) ist eine bindegewebige Schicht, welche das Herz ausgekleidet. Diese Bindegewebsstrukturen bilden zugleich den Herzklappenapparat.

Ursachen

Bakterielle Endokarditis: sie wird ausgelöst durch Keime, die entweder aus Entzündungsherden im Körper stammen oder von aussen durch die Blutbahnen bis zum Endokard vordringen, z.B. durch Katheter, Infusionen, operative Eingriffe am Herzen, an Gefässen, Einsetzen von Prothesen aber auch z.B. durch schmutziges Drogenbesteck.

Bei der bakteriellen Endokarditis unterscheidet man zwischen leichten (subakut en) und schweren (akuten) Verlaufsformen. Die schwere Verlaufsform endet unbehandelt tödlich. Ob eine bakterielle Endokarditis akut oder subakut (subtil) verläuft hängt zunächst davon ab, welcher Erreger für die Infektion verantwortlich ist.

Rheumatische Endokarditis: hier handelt es sich um eine Fehlreaktion des Immunsystems (Autoimmunerkrankung); dabei kommt es zu überschiessenden Reaktionen des eigenen Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe; in diesem Fall gegen das Endokard. Häufig sind aber der gesamte Herzmuskel (Myokard) sowie die Herzaussenhaut (Perikard) mit betroffen.

Andere Ursachen

In seltenen Fällen kann eine Endokarditis als Begleitkrankheit anderer, meist rheumatischer Krankheiten, hervorgerufen werden:

Symptome (Beschwerden)

Herzinnenhautentzündung: Schlechtes Allgemeinbefinden

Bakterielle Endokarditis

Die bakterielle Endokarditis tritt entweder als akute, hochfieberhafte Infektion des gesamten Organismus - zum Teil mit Hautveränderungen, Atemnot oder Beschwerden wie bei einem Schlaganfall auf - oder sie nimmt einen eher schleichenden Verlauf, ohne dramatische Symptome oder eindeutige Hinweise auf das Herz.

Rheumatische Endokarditis

  • Unspezifisches reduziertes Allgemeinbefinden mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsminderung
  • Leichte Temperaturerhöhung
  • Abnahme des roten Blutfarbstoffes (Hb)

Da die Beschwerden bei der rheumatischen Endokarditis sehr unspezifisch sind, deuten häufig erst Herzgeräusche auf eine schwere Herzerkrankung hin.

Diagnose (Untersuchung)

Herzinnenhautentzündung: Abtasten, Abhören, EKG

  • Krankengeschichte unter Einbezug der Beschwerden. Die Erwähnung vorausgegangener Operationen, Entzündungen (z.B. Angina, Gelenksentzündungen) oder anderer Krankheiten ist wichtig für eine Diagnosestellung.
  • Abtasten, Abhören (Herzgeräusche!)
  • Blutuntersuchung (Entzündungsparameter, Nachweis des Erregers im Blut)
  • Echokardiographie (Ultraschall) mit oder ohne Kontrastfarbe (beste Untersuchung zur Diagnose einer Klappenerkrankung): damit werden die Herzbewegung und die Funktion der einzelnen Herzabschnitte farbig dargestellt.

Therapie (Behandlung)

Herzinnenhautentzündung: Erst medikamentöse Behandlung

Medikamente

  • Antibiotika: bei der bakteriellen Endokarditis
  • Zusätzlich Acetylsalicylsäure (ASS). ev. Cortison (entzündungshemmend) bei der rheumatischen Endokarditis
  • Nach einer durchgemachten Endokarditis müssen vor medizinisch therapeutischen Eingriff vorbeugend Antibiotika eingenommen werden (Endokarditis-Prophylaxe).

Chirurgie

Bei schweren akuten Verlaufsformen und bei chronischen irreparablen Schäden an den Herzklappen muss die defekte Herzklappe repariert oder sogar ersetzt werden (Herzklappenprothese). Damit kann der Entzündungsherd wirksam entfernt werden und die Leistungsfähigkeit des Herzens bleibt erhalten.

Bei schwerer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) nach Herzklappenschädigungen kommt oftmals nur noch die Herztransplantation als Behandlungsalternative in Frage.

Medikamente nach der Operation:

  • Längerfristige Behandlung mit Antibiotika
  • Lebenslange Blutverdünnung
  • Ev. Behandlung von Herzrhythmusstörungen oder einer Herzschwäche(Herzinsuffizienz)

Ist die Endokarditis eine Begleiterkrankung einer andern schweren Krankheit, muss das zugrunde liegende Problem behandelt werden.

Mögliche Komplikationen

Die akut verlaufende bakterielle Endokarditis ist immer noch eine äusserst gefährliche Krankheit. Wenn nicht konsequent behandelt wird, führt sie führt innerhalb kurzer Zeit zum Tod. Infektiöse Gerinnsel können sich von den Herzklappen lösen und durch die Blutbahn in den Körper verschleppt werden. Wenn keine sofortige Behandlung erfolgt, kann sich die Infektion weiter entwickeln (z.B. Hirnentzündung mit Abszessbildung und/oder Hirnschlag).

Bei rechtzeitiger konsequenter Behandlung und regelmässigen Verlaufsuntersuchungen beim Arzt - mit Anpassung der medikamentösen Therapie - kann der Verlauf der nicht bakteriellen Erkrankung oftmals positiv beeinflusst werden.

Nach einer Akutphase können sich, vor allem bei chronisch immer wiederkehrender Endokarditis, irreparable Herzklappenschäden entwickeln. Diese schwächen auf lange Sicht den Herzmuskel, wodurch die Herzkreislauffunktion beeinträchtigt ist. Auch die Funktion der Lungen kann geschädigt werden.

Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entsteht häufig bei einer Endokarditis, die die Mitral- und Aortenklappe betrifft. (Siehe Herzklappenfehler).

Nach einer Mitralklappe nverengung/- oder schwäche kann es zu Vorhoffrhythmusstörungen oder zu einem Vorhofflimmern kommen. Dabei besteht die Gefahr der Blutgerinnselbildung; Gerinnsel können ins Gehirn gelangen und einen Schlaganfall auslösen.

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